In der Praxis werden die Begriffe Kalibrieren und Justieren häufig verwechselt oder sogar synonym verwendet. Doch technisch und in ihrer Bedeutung unterscheiden sich beide Prozesse deutlich voneinander. Warum Sie diesen Unterschied kennen sollten, um Qualität und Normkonformität sicherzustellen, lesen Sie in diesem Beitrag.
Kalibrieren: Prüfen ohne Eingriff
Beim Kalibrieren wird ermittelt, wie genau Ihr Messgerät aktuell misst. Dafür wird Ihr Gerät mit einem rückführbaren Referenzgerät (Normal) verglichen. Das Ergebnis ist ein Kalibrierzertifikat, in dem die Messabweichungen exakt dokumentiert sind. Dabei erfolgt kein Eingriff am Gerät – es wird lediglich festgestellt, ob das Gerät innerhalb der vorgegebenen Toleranzen liegt.
Typische Praxisbeispiele:
- Drehmomentschlüssel für die Automobilmontage
- Messschieber und Mikrometer im Maschinenbau
Justieren: Korrektur der Messabweichung
Beim Justieren wird aktiv ins Gerät eingegriffen, um erkannte Messfehler zu korrigieren. Konkret bedeutet das z.B. mechanisches Nachstellen, Verändern von Software-Parametern oder Einstellen interner Bauteile. Ziel ist es, die Abweichungen so gering wie möglich zu halten und das Gerät wieder in den erlaubten Toleranzbereich zu bringen. Nach der Justierung folgt typischerweise eine erneute Kalibrierung, um sicherzustellen, dass das Gerät nun korrekt misst.
Praxisbeispiel aus der Industrie:
Ein Automobilzulieferer lässt Drehmomentschlüssel kalibrieren. Dabei stellt sich heraus, dass der Schlüssel um 6 % abweicht – ausserhalb der zulässigen Toleranz. Um die Produktion nicht zu gefährden, wird der Schlüssel durch Fachleute justiert. Danach erfolgt eine erneute Kalibrierung als Nachweis, dass der Drehmomentschlüssel innerhalb der Norm liegt. So wird dauerhaft gewährleistet, dass alle Bauteile korrekt verschraubt sind und Qualitätsprobleme vermieden werden.
Häufige Missverständnisse vermeiden
- Kalibrieren und Justieren sind nicht identisch.
- Kalibrieren verändert Ihr Gerät nicht, Justieren hingegen schon.
- Justieren ist nur notwendig, wenn die Kalibrierung Fehler aufdeckt.
- Kalibrieren ersetzt keine Justierung – und umgekehrt.
Branchenspezifische Herausforderungen im Blick
Maschinenbau: Ohne regelmässiges Kalibrieren riskieren Sie fehlerhafte Messungen, Produktmängel und teure Nacharbeit.
Medizintechnik: Ungenaue Messgeräte gefährden Ihre Patienten und führen zu Problemen bei Audits.
Automobilindustrie: Präzise Kalibrierung und rechtzeitige Justierung sichern hohe Fertigungsqualität und reduzieren Reklamationen.
Fazit: Erst kalibrieren, dann justieren
Kennen Sie den Unterschied, erhöhen Sie Ihre Prozesssicherheit und vermeiden Fehler und unnötige Kosten. Professionelle Kalibrierung schafft Klarheit, und eine gezielte Justierung sorgt für nachhaltige Genauigkeit Ihrer Messgeräte.
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